13.07.2022 | Sieben Gründe für den Bau von Freiflächenanlagen

Den Vorurteilen entgegen

Jeanette Schranz

Autorin

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Die Schweiz braucht neben Anlagen auf Hausdächern auch Solar-Grossanlagen, um die Energiewende zu schaffen. Sie bieten einige Vorteile und könnten einen wertvollen Beitrag an einen breiten und stabilen Strommix leisten. Doch immer noch kursieren Fehlinformationen. Sieben Gründe, die für den Bau von Freiflächenanlagen sprechen. 

 

1. Solarstrom als wichtiger Teil des Strommix

Solarenergie hat ein sehr grosses Potenzial, das zwingend zu nutzen ist. Denn nur, wenn wir in der Schweiz an allen Fronten erneuerbare Energien zubauen, können wir die entstehende Stromlücke (bis 50 TWh Strom pro Jahr bis 2050) füllen, wenn die Kernkraft nach und nach vom Netz geht. Zu diesen natürlichen Quellen zählen neben Solarenergie auch Wasserkraft, Windenergie, Biomasse. Hier ins Spiel kommen freistehende Solaranlagen, sogenannten Freiflächenanlagen. Schon mit wenigen solchen Grossanlagen könnte an geeigneten Standorten viel Solarenergie (vgl. Swissolar 2020, S.10) entstehen. 

 

2. Solar-Grossprojekte sind attraktiv für Kunden

Grossanlagen sind interessante Investitionsprodukte. Denn eine Grossanlage produziert schlicht mehr erneuerbare Energie. So war es beispielsweise beim ersten Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreements, PPA) der ersten alpinen Solar-Grossanlage in der Schweiz: Denner nimmt rund 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr aus der alpinen Solar-Grossanlage beim Muttsee für 20 Jahren zu einem Fixpreis ab. Und dies mit nur einem Vertrag. Es gibt in der Schweiz viel Potential für solche Stromabnahmeverträge durch Solar-Grossanlagen wie Freiflächenanlagen. Die gleiche Menge könnte theoretisch auch von mehreren kleinen Anlage abgenommen werden, indem mehrere Dachanlagen gebündelt würden. Dafür wären aber mehrere Verträge nötig und es würde zu einem enormen administrativen Aufwand führen. Dies wäre für Investoren nicht mehr attraktiv. 

 

3. Kostengünstig und mit Skaleneffekt

Grossanlagen gehören mitunter zu den kostengünstigsten Technologien. Je grösser eine Anlage gebaut wird, desto besser die Skaleneffekte. Bei einer Dachanlage eines Einfamilienhauses mit ca. 10kWp rechnet man mit rund 2'500 CHF/kWp (vgl. Energie Schweiz 2022); bei einer Grossanlage ab 250 kWp ist der Preis pro KWp bei rund 1'000 CHF (vgl. Helion 2022). Daher ist der Bau von Solar-Grossanlagen besonders attraktiv. 

 

4. Einfacher Rückbau von Freiflächenanlagen 

Freiflächenanlagen sind im Prinzip auch nur temporär einsetzbar: Anlagen, die nach 20-30 Jahren ihren Dienst im Strommix geleistet haben, können mit relativ wenig Aufwand wieder zurückgebaut werden, ohne weiteren Einfluss auf Flora und Fauna zu nehmen. 

 

5. Mehr Ausbeute je höher die Anlage

Gerade alpine Freiflächenanlagen können besonders effizient Solarstrom produzieren, da sie von den tieferen Temperaturen in der Bergen und der höheren Sonneneinstrahlung profitieren. Im Winter bei Schneefall sorgt zudem die Reflexion der Sonne auf dem Schnee für mehr Sonnenernte. Besonders im Winter sind solche Anlagen wichtig: Sie produzieren bis dreimal mehr Solarenergie im Winterhalbjahr als eine vergleichbare Anlage im Mittelland. 

(vgl. ZHAW 2020

 

6. Vorteile für Flora und Fauna

Bei den Freiflächenanlagen in unseren Breitengraden überwiegen die Vorteile bei Flora und Fauna. Die teilweise Beschattung durch die Solarpanels ermöglicht ein kleinräumiges Nebeneinander von verschiedensten Lebensräumen. Dadurch können unterschiedliche Mikroklimata entstehen, die eine grössere Artenvielfalt zulassen (vgl. BFE 2021, S 25). 

 

7. Wirtschaftliche Vorteile von Bau in Nähe bestehender Infrastruktur 

Der Bau einer Freiflächenanlage bringt dann vor allem wirtschaftliche Vorteile, wenn sie in der Nähe von bestehender Infrastruktur geplant wird - z.B. bei Wasserkraftwerken, bei Skigebieten, bei Passstrassen. Dies ist auch technisch sinnvoll, da keine zusätzlichen Anschlüsse nötig sind, sondern die bestehenden Netzanschlüsse genutzt werden können. Leider ist der Bau von Freiflächenanlagen in Nähe der bereits bestehenden Infrastruktur heute faktisch verboten. 

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