16.03.2023 | Monatliches Update europäische Energiemärkte, März 2023

Vorsicht vor neuen Engpässen

In wenigen Wochen geht der Winter offiziell zu Ende, und die Wintersaison hat sich in den europäischen Energiemärkten im Allgemeinen kaum bemerkbar gemacht. Der Nachfrageeinbruch dauerte auch im Februar an und erreichte in Ländern wie Frankreich 14% im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt, während die Gasspeicher angesichts geringer Entnahmen und in einigen Fällen sogar Netto-Einspeisungen historisch hoch blieben. Dies wiederum drückte die Gaspreise und bot Anreize für den Wechsel von Kohle zu Gas im Stromsektor. Die Wasservorräte und die Verfügbarkeit von Kernenergie gingen weiter zurück, wodurch Aufwärtsrisiken für den Sommer entstanden sind.

Die Nachfrage der europäischen Industrie blieb trotz sinkender, aber immer noch hoher Energiepreise gering und deutlich unter den langfristigen Durchschnittswerten. Die Gaspreise sanken im Laufe des Monats allmählich als Reaktion auf die hohen Gasflüsse durch Pipelines und die Importe von Flüssigerdgas. Unterstützt wurde diese Entwicklung vom Wetter, da die Temperaturen in mehreren Ländern höher als normal waren, während sich die Märkte über das Ausmass längerer Kälteperioden in anderen Ländern Gedanken machten. Im Übrigen waren die europäischen Erdgasspeicher im Februar zu 71% voll und lagen somit weiter über dem Zehnjahresdurchschnitt von 51%. Anfang Februar fielen auch die Kohlepreise auf ein mehrmonatiges Tiefstniveau, bevor sie Ende des Monats wieder anstiegen. Obwohl sowohl die Gas- als auch die Kohlepreise sanken, schienen sich letztere ihren kostenorientierten Ankern anzunähern. Dadurch wurde die Möglichkeit russischer Kohlebergwerke eingeschränkt, potenziellen Käufern erhebliche Rabatte zu gewähren, und es wurde ein erster Wechsel von Kohle zu Gas auf den europäischen Strommärkten ausgelöst.

Nicht alle Entwicklungen gaben jedoch Anlass zu einem pessimistischen mittelfristigen Ausblick. Anhaltende trockene Witterungsbedingungen und sinkende Wasserreserven aufgrund weniger Regenfälle und geringer Schneemassen in den Alpen stellen für die kommenden Monate ein erhebliches Aufwärtsrisiko dar. Dies ist sowohl auf den potenziell geringeren Strom aus der Wasserkraft im Sommer als auch auf das erhöhte Risiko von Produktionskürzungen in Kernkraftwerken infolge von Kühlwasserproblemen zurückzuführen. Trockene Witterungsbedingungen könnten auch die wassergestützte Kohleversorgung Deutschlands erschweren, falls der Rhein ähnlich tiefe Wasserstände wie im letzten Sommer aufweist. Unterdessen bringt die französische Verfügbarkeit von Kernenergie weitere Risikoprämien mit sich, was in den letzten Tagen zu einem Preisanstieg bei den Verträgen für den nächsten Winter um bis zu 50 % auslöste. Grund hierfür war vor allem die Bekanntgabe eines neuen Risses im Reaktor Penly 1 durch EDF – ein Problem, das laut Angaben der französischen Behörde für nukleare Sicherheit in allen 56 französischen Reaktoren vorhanden sein könnte.

Günstige Witterungsbedingungen während des grössten Teils des Winters und robuste Brennstofflieferungen hielten die Kohle- und Gasbestände auf einem aussergewöhnlich hohen Niveau, wodurch der Druck für die Wiederauffüllung im kommenden Sommer verringert wurde. Doch jetzt stellt sich die Frage, ob die Strommärkte in der Lage sein werden, in den folgenden Monaten Zeiten der Knappheit zu absorbieren und sich gleichzeitig auf den nächsten Winter vorzubereiten. Die Nachhaltigkeit der Energiesparmassnahmen des vergangenen Winters wird diesbezüglich mit Sicherheit eine der wichtigsten Rollen spielen.

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